
Dojoleiter des BUDOKAN Fürstenfeldbruck e.V.
weltweit anerkannter
Experte sowohl im traditionellen als auch im Sport -
Karate
Mitglied der deutschen
Nationalmannschaft 1975 - 1980
Gesundheitstrainer
Prävention Haltung und Bewegung
A - Trainer
Leistungssport
ehemaliger WKF Karate
Referee und Mitglied der Kampfrichterkommission der
EKF
ehemaliger
Landeskampfrichterreferent im Bayerischen Karate Bund
e.V.
ehemaliger Landestrainer Frauen im BKB
ehemaliger Bundeskampfrichterreferent DKV
Eine lange Zeit und doch erscheint es wie gestern:
1980 wurde der Verein im Ortsteil Puch von Fürstenfeldbruck mit
den Sparten Judo und Karate von Bruno Langkau und mir unter dem
Namen DOJO-KAN Fürstenfeldbruck gegründet.
Später kamen noch Ju Jutsu, Aikido, Tai Chi und Qi Gong, sowie
Aerobic und verschiedene Gymnastikarten dazu. Aus dem Verein
heraus entstand dann etwas später auch die renommierte
Sportschule Puch. Ab dem Jahr 1982 trennten
sich die Wege. Die Sportschule Puch wurde ein kommerzielles
Unternehmen, der Verein Dojo-Kan wurde als gemeinnützig
anerkannt und betrieb ab diesem Zeitpunkt ausschließlich die
o.a. Kampfsportarten.
Bis Mitte 1990 war der Verein auf sportlicher Ebene überaus
erfolgreich. Insbesondere im Kinder – Judo und Karate
konnten z. T. herausragende Ergebnisse erzielt werden. Die
Karate – Abteilung war auf Landes- und Bundesmeisterschaften
immer mit Podestplätzen vertreten und auch international
konnten beachtliche Erfolge erkämpft werden. Ich selbst war
jahrelang in der deutschen Nationalmannschaft aktiv, konnte
zahlreiche Titel erringen, war Vize-Welt- und Europameister,
Kamprichter mit Weltlizenz, 16 Jahre lang, bis 2008
Kampfrichterreferent des Deutschen Karate Verbandes und
bis 2010 Kampfrichterreferent in Bayern. Im Jahr 2006
wurde der Verein umbenannt in BUDOKAN
Fürstenfeldbruck e.V.
Leider führten zahlreiche unglückliche Umstände, wie Trainer-
und Hallenprobleme, dazu, dass sich der Verein im Laufe der
Zeit von sämtlichen Abteilungen trennte und heute
ausschließlich Karate betreibt. Hier liegt das Augenmerk
derzeit in der Kinder- und Jugendarbeit, sowie auf dem
gesundheitlichen Sektor ( Budomotion ) und dem traditionellen
Karate. Nach wie vor nehmen aber Sportler an regionalen und
überregionalen Meisterschaften und Turnieren teil und konnten
auch schon schöne Erfolge, wie oberbayerische und bayerische
Meister, erzielen.
Entstehung des modernen Karate
Von Okinawa über Japan bis heute
Referat von Klaus Sterba
Karate heute, was ist das? Das sind Wettkämpfe, Meisterschaften, Turniere,
Show-Veranstaltungen.
Karate ist aber auch Schulsport, Breitensport, Bewegungstherapie für ältere Menschen. Also, Karate heute bietet uns ein umfangreiches Spektrum und in einem großen Verband wie der DKV ( Deutscher Karate Verband ) kann Jeder Karate nach seiner Fasson betreiben. Karate als Sport hat ganz ohne Zweifel seine eigene Faszination, aber so wie Karate heute vielfach betrieben wird kann es nicht den Anspruch auf den Titel Kampfkunst haben. Nicht umsonst spricht man allgemein von Kampfsport. Man muss sich nur einmal vor Augen halten, mit welch minimalem Aufwand man heutzutage zum " Meister " werden will. Ein normaler Karateka trainiert ca. 2 mal die Woche, ein guter, fleißiger Schwarzgurt vielleicht 3 mal, Profis 4 - 5 mal, aber auch nicht mehr als 10 Stunden, sogar sog. " Spitzensportler " trainieren selten mehr als 2 - 3 mal in der Woche. Aber die alten Meister übten meist 8 Stunden am Tag, also an einem Tag mehr als die meisten von uns in einer Woche. Wobei üben natürlich nicht nur körperliches Training beinhaltete sondern vielmehr auch das Aneignen von Kenntnissen in der Heilkunde, Akupunktur, Hilfe nach Verletzungen ( Kuatsu ) und vieles mehr.
Ein alter Meister sagte einmal: bevor du jemanden verletzt, solltest du ihn heilen können! Nichts desto Trotz bietet Karate auch heute Jedem, der es ernsthaft betreiben will, die Möglichkeit über das Do, den Weg des Karate, zu sich selbst zu finden. Etwas zu tun für seine Gesundheit und um seinen Charakter zu formen.
Ich werde nun etwas über die Entstehungsgeschichte erzählen und erklären, was das, was wir heutzutage mehr oder weniger fleißig trainieren, eigentlich ist. Auch sei an dieser Stelle einmal deutlich klargestellt, dass der Ursprung des Karate nicht in Japan ( der Hauptinsel ) lag, sondern auf Okinawa ( das heute zu Japan gehört und im 16.Jahrhundert von Japan annektiert wurde) und schon gar nicht eine Erfindung der JKA ( Japan Karate Association )ist, wie früher oftmals weis gemacht wurde.
Die hierarchischen Strukturen, wie Organisationen, Graduierungen usw. sind entstanden aus dem System des japanischen Militarismus. Dieses gab und gibt es in dieser Form auf Okinawa nicht.
Ehrfurcht vor dem Meister ist und war etwas anderes als blinde Unterwürfigkeit.
Von den Selbstverteidigungstechniken Okinawas zum Karate
Tode ist die Bezeichnung, die man auf Okinawa in frühester Zeit für die dort ausgeübten Selbstverteidigungstechniken gebrauchte. So nannte man alle Techniken, die meist von chinesischen Gesandten nach Okinawa gebracht wurden und sich mit den Techniken, die man dort übte, ergänzten. Mit To wurde alles bezeichnet was aus China kam. De, oder auf japanisch Te, bedeutet Technik oder Hand. Mit Tode ist also gemeint, die Technik der Chinesen oder Technik aus China.
Die spätere Bezeichnung für die Kampfkunst Okinawas ist Okinawa-Te. Diese wurde dann im 20. Jahrhundert von Meister Funakoshi in Karate umbenannt.
Vermutlich gab es zwischen dem Tode und dem Okinawa Te nur wenig Gemeinsamkeiten. Im Gegensatz zu den meisten chinesischen Kampfsystemen dienten die Techniken des Tode rein der Selbstverteidigung und hatten keinen philosophischen, ethischen oder therapeutischen Anspruch. Im 14. Jahrhundert gelangten die ersten Formen der chinesischen Kata auf die Insel und als im Jahre 1429 König Sho Hashi den Besitz jeglicher Waffen verbot veränderte sich auch die Kampfmethode. Es war auch die Zeit, in der die Handhabung verschiedener landwirtschaftlicher Geräte für den Kampf zur Entwicklung des Kobudo ( Kampf mit div. Waffen ) führte.
Im 17. Jahrhundert teilte sich das ganze System dieser ursprünglichen Kampfkunst in Shorin -Ryu ( entstanden in Shuri und Tomari ) und in Shorei-Ryu ( ausgeübt in Naha ). War jedoch, im Gegensatz zum heutigen Karate, nach wie vor eine reine Selbstverteidigung und unterschied sich erheblich von den später entstandenen japanischen Stilen.
Ein gravierender Unterschied zu den heutigen Techniken war u.a. dass sich alle Fußtechniken zur unteren oder mittleren Stufe richteten, wobei alles Spektakuläre als Risiko angesehen wurde. Alle Beintechniken, die in den Katas nicht enthalten sind, wurden erst später in Japan entwickelt ( wie z.B. mawashi geri, ura mawashi aus ashi barai, usw.). Zwischen dem Okinawa-Te und dem heutigen Karate weisen auch die Trainingsmethoden und -inhalte wesentliche Unterschiede auf. Im Wettkampfkarate z.B. ist das Ziel Punkte zu sammeln, während das Okinawa-Te die Wirkung der Technik betonte. Man übte nicht um zu gewinnen, sondern um zu überleben.
Was auch durch den Spruch von Funakoshi Gichin " es ist nicht wichtig zu siegen, vielmehr ist es wichtig nicht zu verlieren " verdeutlicht wird.
Der kämpferische Sinn lag nicht allein im Treffen des Gegners, sondern vielmehr in der Wirkung der Technik ( Ikken-Hissatsu). Natürlich setzte dies auch Kenntnisse der vitalen Punkte voraus. Die meisten der Techniken, wie sie z.B. in der klassischen Kata vorkommen, sind für den sportlichen Wettkampf nicht zu gebrauchen. So entwickelten sich im "modernen Karate" reine Körpertechniken ( Shosa )und veränderten natürlich das gesamte Gefüge der alten Kunst. Virtuosität in der Bewegung und Schnelligkeit um den Gegner zu übertreffen, waren Dinge, welche die alten Meister nicht, oder nur wenig, interessierten. Viel wichtiger war ihnen, die Kraft in der Technik des Gegners zu neutralisieren. Das Ziel in der Selbstverteidigung war, selbst tödliche Techniken zu entwickeln und andererseits von den Waffen des Gegners nicht getroffen zu werden, oder den Körper so abzuhärten, dass er starke Schläge heil überstehen konnte. Diese Aspekte sind für die Selbstverteidigung auch heute noch unerlässlich, während sie für den sportlichen Wettbewerb, in dem es um Punkte geht, nicht relevant sind.
Also, der wichtigste kampfbezogene Aspekt des Okinawa-Te war die Tödlichkeit seiner Techniken. Ihr Interesse galt ausschließlich der Realität. Distanzen, Stellungen und Bewegungsformen wie sie im heutigen Wettkampfkarate benützt werden, sind für die Selbstverteidigung meist untauglich. Während das ganze Kampfgeschehen im Sport, im Wettkampf, aus einer großen Distanz ausgeübt wird, erfolgen in der SV, sprich Realität, alle Aktionen meist in der Nahdistanz. Allein die Risikobereitschaft für den Angriff, wie er im Sportkarate praktiziert wird, kann in der realen Situation tödlich sein. De-ai ( Kontertechnik ) Aktionen z.B. werden, aufgrund der Regelauslegung im Wettkampf, kaum mehr trainiert und angewandt, weil meist der Angreifer den Punkt erhält. Die Realität jedoch sähe ganz anders aus.
Irgendwie ist es schon paradox, dass man als Wettkampfsportler nebenbei Selbstverteidigungstechniken üben muss, um sich im Ernstfall wehren zu können.
Um zu überleben mussten die alten Meister Mittel und Wege finden, ihre Methoden der Kampfführung, die Anwendung der geheimen Techniken und Taktiken etc. unsichtbar für die Öffentlichkeit verschlüsseln. Der Weg dazu war die Kata. Bedauerlicherweise erfüllt diese heutzutage im Sportkarate nicht mehr ihren ursprünglichen Sinn und das macht es unheimlich schwierig den traditionellen Hintergrund jeder Technik zu erfassen. Über die innere Bedeutung der Technik ( Kontrolle der Atmung, der vitalen Energie und des Geistes ) soll uns die Kata Aufschluss geben und über ihre kämpferische Anwendung. Ohne Verständnis der Technik und ihres umfassenden Inhalts verliert das Karate seinen erzieherischen Wert im Sinne des Budo und ist nicht besser oder schlechter als jeder andere Sport auch.
Um das ganze Sportgeschehen attraktiver zu gestalten, erlaubt man heute Variationen in den Kata, untermalt sie mit Musik und praktiziert schon wieder eigenständige Disziplinen ( z.B. Sound-Karate ). Die Schere zwischen Tradition und sportlichem Karate wird immer größer, es sind wirklich schon zwei verschiedene Dinge.
Die sportliche Leistung der Athleten jedoch soll dadurch keineswegs abwertend beurteilt oder geschmälert werden., das möchte ich ausdrücklich betonen, ich war ja auch einmal ein sehr erfolgreicher Sportler.
Aber um eine Kata zu meistern und ihren Inhalt zu verstehen gehört etwas mehr dazu als nur sportliches Talent.
Aber zurück in die Vergangenheit.
Die Technik gibt erst dann, wenn sie vom sinngemäßen Inhalt her zu ihrem Ursprung zurückverfolgt wird, dem Übenden jene Eigenheiten preis, durch die sie wirklich verstanden und angewendet werden kann. Der erzieherische Wert der alten Kampfkünste besteht aus der, in der Übung erwachsenden, Fähigkeit des Menschen zu seinen Extremen und nicht allein in der Ausübung eines Sportes. Wobei selbstverständlich der allgemeine erzieherische und therapeutische Wert des Sports nicht in Abrede gestellt wird. Aber Härte z.B., auch und gerade sich selbst gegenüber, darf jedoch nicht soweit führen, dass man sich, wie gerade in der Vergangenheit oft genug bewiesen, selbst schädigt oder verstümmelt. Viele der Karateka, die schon jahrelang trainieren, wissen sicher ein Lied davon zu singen, was man durch falsche Anleitung ( speziell auch mancher sog. Großmeister ) an gesundheitlicher Schädigung anrichten kann.
Den Japanern gelang es nie, den Schleier des Geheimnisses um die okinawanische Kampfkunst zu lüften, bis zu dem Tag, an dem Funakoshi ( wie auch Mabuni und Miyagi ) sie vorstellte. Jeder auf Okinawa wusste um die Existenz dieser Kunst, aber keiner kannte die Praxis oder die Lehrer, denn nur über die Kata, das Herz der Kampfkunst, wurde das Wissen an Familienmitglieder oder enge Vertraute weitergegeben.
Als Meister Itosu ( über ihn werde ich später noch berichten ) im Jahre 1905 die okinawanische Kampfkunst in den öffentlichen Schulen einführte, entfachte er einen Sturm der Entrüstung bei den anderen Meistern der Kampfkunst. Obwohl er eigens zu diesem Zweck die Pinan Katas installierte, die nur Techniken für die Gesunderhaltung enthielten und keinerlei kämpferische Geheimnisse preis gaben. Jedoch bin ich überzeugt, dass heute kaum Jemand über den gesundheitlichen Aspekt dieser Katas und deren Techniken, wie z.B. Gedan Barai, Bescheid weiß, geschweige denn vermittelt. Woher auch!!!
So wie das gesamte okinawanische Kampfkunstgeschehen immer zwei Seiten hatte: eine offizielle, nach außen gestaltete und eine geheime, nach innen gekehrte Seite, unterschieden die Meister ihre Schüler in Soto-Deshi ( äußerer Schüler ) und Uchi-Deshi ( innerer Schüler ).
Während die Uchi-Deshi jene waren, die durch ihre lebenslange Treue zum Meister das Potential zur Erforschung der esoterischen Inhalte besaßen, hatten die Soto-Deshi den Drang zur Öffentlichkeit und die Begabung zur physischen Leistung. Nach vielen Jahren harter Übung wählten die Meister ihren Nachfolger unter jenen aus, die sich um die wahre innere Lehre bemühten und zeigten ihm die korrekte Bedeutung der Bewegungen und erklärten ihre Wirkungen auf den eigenen Geist, auf die Gesundheit und den Fluss des Ki. Die heutigen etablierten Systeme des Karate sind zumeist Soto-Linien und lehren zum größten Teil ein verändertes Bunkai, das auf die sportliche Anwendung der Techniken abgestimmt ist. Diese Bunkai-Formen wurden als rein formelle Aspekte des Kämpfens gegründet, wodurch die meisten Techniken ihre innere Bedeutung verloren.
Viele der heutigen Kata sind rhythmusmäßig beschleunigt, verkürzt, oder verändert, weil die meisten der Lehrer Soto-Deshi Linien entstammen und sie nicht in der Lage sind, den Inhalt der Kata zu erklären. Meist sind es die nutzlos erscheinenden Techniken oder Bewegungen, die zum tieferen Sinn der Kata führen.
Heute ist es so, dass das alte, okinawanische Karate mit all seinen traditionellen Inhalten vom "modernen" Karate weltweit überflügelt wurde. Nach wie vor hat jedoch jeder Stil seinen Großmeister und ausschließlich eigene Entscheidungsrechte. Die Hierarchie entspricht auch heute noch der herkömmlichen Tradition, das Einteilungssystem nach wie vor der herkömmlichen Methode: Shorin-Ryu und Shorei-Ryu.
Die okinawanischen Stile:
Shuri-Te = Sukunai Hayashi Shorin-Ryu - Kobayashi Shorin-Ryu
Naha-Te = Goju-Ryu, -Uechi-Ryu
Tomari-Te = Matsubayashi Shorin-Ryu
Es gibt noch ungefähr zehn weitere Verbände, kleinere traditionelle, aber auch neuere moderne Stilrichtungen.
SHOREI-RYU
ist der Überbegriff für alle okinawanischen Kampfsysteme, die sich aus den chinesischen inneren Schulen abgeleitet haben. Chorei bedeutet in einem hawaiianischen Dialekt auch Shaolin. In Okinawa entstand das System nach dem Shorin-Ryu und verbindet seine Geschichte mit dem Namen des großen okinawanischen Kampfkunstexperten Kanryo Higashionna. Dieser studierte in China die weiche, innere Kampfkunst und gründete, nachdem er nach Okinawa zurückgekehrt war, in Naha eine Schule, in der er einen Stil lehrte, der sich wesentlich von den bisher bekannten ( Sakugawa und Matsumura aus Shuri ) unterschied. Diese Kampfkunst ist bekannt auch als Naha-Te.
Das Shorei-Ryu kennzeichnet sich vor allem durch seine mit dem Boden verankerten Stände ( Shiko Dachi ) seinen speziellen Atmungstechniken ( Ibuki und Nogare ) und den Wechsel von weichen und harten Techniken. Die Distanzen sind deutlich kürzer und die Techniken Nahkampf bezogen. Die Bewegungen sind weniger schnell als im Shorin-Ryu, jedoch in vollkommener Harmonie mit der Atmung.
Die größten im Shorei-Ryu klassifizierten Systeme sind Goju-Ryu und Uechi-Ry
SHORIN-RYU
ist der Überbegriff für die okinawanischen Kampfkünste der äußeren Schulen. Übersetzt bedeutet Shorin Ryu " Schule des jungen Waldes " und Shorin ist die Okinawanische Aussprache für Shaolin. Die Bezeichnung entwickelte sich am Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Initiative zum Shorin-Ryu, so wie wir es heute kennen, ging von Shuri aus ( Shuri-Te ) und zwar von Meister Sokon Matsumura, einer der Schlüsselfiguren des okinawanischen Karate.
Sokon Matsumura und Kosaku Matsumora, Repräsentant des Tomari-Te, diese beiden bedeutenden Schulen gelten als Ausgangspunkt für das sich heranbildende Hauptsystem Shorin-Ryu, dessen Charakteristiken sich bereits durch Sakugawa ( ein Soto-Deshi des Chinesen Koshokun, von ihm wird später noch berichtet ) vom Shorei-Ryu abzuheben begannen. Durch Matsumura entstand das Shuri-Te und er überlieferte die Kata Matsumura Patsai, welche als Basis aller Bassai-Formen des Shuri-Te gilt. Auch die Shotokan Varianten haben darin ihren Ursprung. Er gründete auch den Begriff des Shorin-Ryu und nannte seinen Stil zum ersten Mal Shorin-Ryu-Gokoku-an-Karate. In der Matsumura-Schule entstand kein einheitliches Katasystem des Shorin-Ryu, vielmehr gewährleistete die Schule nur den Zusammenschluss von fast allen Kata der äußeren Systeme, die zu jener Zeit geübt wurden. Typisches Merkmal für diese Stilrichtungen sind schnelle Bewegungen, flüssige Kombinationen, hohe Stände und Sabaki-Formen. Die Entstehung ist sehr von den chinesischen äußeren Systemen ( Shaolin ) beeinflusst. Die größten, im Shorin Ryu klassifizierten Systeme sind: Shotokan Ryu, Shito Ryu, Isshin Ryu, Matsubayashi Ryu.
Yasutsune Itosu , die " heilige Faust des Shuri-Te" war einer der größten Meister der Kampfkünste, die es je gab. Er war jedoch nicht unumstritten und hatte unter den Meistern der okinawanischen Kampfkunst nicht viele Freunde. Sein bedeutendster Beitrag waren seine Kata. Er sagte: " Karate ist eine Art zu leben, ein Weg um absolute Sicherheit und Furchtlosigkeit zu erlangen. Ein Mensch, der die Kata übt, kann durch bestimmte Schwerpunktlegungen in ihnen seine individuellen Fähigkeiten bis zur äußersten Grenze verbessern."
Itosu war der äußere Schüler Matsumuras, der innere Schüler war Anko Azato. Im Jahre 1905 gründete er die Pinan ( jap. Heian ) Formen und führte sie, wie bereits erwähnt, an den Grundschulen Okinawas ein.
Außerdem entwickelte er einige Kataformen weiter, was u.a. zur Gründung von Tekki Nidan, Tekki Sandan, Bassai Sho und Kanku Sho führte. ( Tekki wurde z.B. aus Naihanchi entwickelt, eine Kata, die heute in dieser Form nicht mehr geübt wird. Ich denke, dass Itosu durch seine Veränderungen bereits damals den Grundstein für die vielen Variationen, die heute bekannt sind legte. Viel von den Geheimnissen, die in den Kata verborgen sind, ging schon zu jener Zeit verloren. Er hat es bestimmt gut gemeint, aber ich glaube, dass er durch seine Veränderungen auch mit Schuld hat an dem Durcheinander, das wir heute im Kata-Bereich weltweit haben. Ein direkter Schüler von Itosu war Funakoshi Gichin.
Funakoshi Gichin, mit seinem Namen ist die gesamte Entwicklung des japanischen Karate verbunden. Er wurde nach langen Beratungen der okinawanischen Meister dazu auserwählt, im Mai 1922 nach Japan zu gehen und den Japanern einen dreihundert Jahre alten Wunsch zu erfüllen: die Freigabe des Geheimnisses um das alte Okinawanische Tode.
Niemand ahnte damals, dass es eine Reise ohne Wiederkehr werden sollte. In seinem freiwilligen Asyl widmete der damals 53-jährige Meister den Rest seines Lebens der Verbreitung des Karate Do. Allerdings war des Meisters Weg durch die Kampfkünste nicht frei von Emotionen und Enttäuschungen und führte schließlich zur Gründung des von ihm nie beabsichtigten Shotokan Stils. Funakoshi war immer gegen Stilrichtungen. Für Anfänger ja sagte er, aber für Fortgeschrittene gibt es nur ein Karate.
Die besondere Freundschaft zu Meister Kano ( Gründer des modernen Judo ), die er bis zu seinem Lebensende tief verinnerlichte, brachte ihn in große Konflikte zu seiner traditionellen Auffassung über die Lehre der Kampfkunst, was bei seinen Schülern der ersten Generation oft zwiespältige Eindrücke hinterließ. Einige dieser "Modernisierungsmaßnahmen " von Kano ( z.B. das System der Graduierungen ) beeinflusste auch das Karate und bewirkte in Funakoshis Dojo, dass einige Schüler ihn verließen, weil sie das " Vergehen an der Tradition " nicht billigten. Deshalb war der Meister gezwungen, Kompromisse in der Trainingsführung zu schließen, die danach häufig seine eigentlichen Absichten überstiegen. Oft war auch sein Sohn Yoshitaka der Anlass dafür, dass viele der japanischen Größen nach geraumer Zeit sein Dojo wieder verließen um sich anderweitig zu orientieren.
Auch Ohtsuka z.B. ( Gründer des Wado-Ryu und von Funakoshi sehr geschätzt) war einer dieser Schüler, die für immer das Dojo verließen. Allerdings begannen sich allmählich Schüler zu etablieren, die nach Ohtsukas Abgang das Shotokan würdig zu vertreten verstanden. Zu ihnen gehörten vor allem Takeshi Shimoda, Shigeru Egami und Genshin Hironishi. Und es waren die Leute der alten Garde, die zu jenen Schülern Funakoshis, die nach dem Weltkrieg eine vollkommene Revision der Kampfkünste forderten, wie Nakayama, Obata, Nishiyama u.a., eine starke Opposition bildeten und somit die eigentlichen Vertreter von Funakoshis Kampfkunst wurden. Das von der breiten Masse immer mehr geachtete Sportkarate entwickelte sich jedoch unvermeidlich. Wie eine Explosion verbreitete sich die Kampfkunst. Aber, nicht zuletzt durch Lehrer, die Schüler u.a. in Techniken des Straßenkampfes ausbildeten, bekam Karate auch einen sehr schlechten Ruf und geriet plötzlich in eine schwere Krise. Mein Lehrer, der im Übrigen aus der Instruktorklasse Nakayamas kam, erzählte mir einmal, dass Schüler, wenn sie den 3. - 1. Kyu besaßen, bewusst in Spelunken oder an irgendwelche gefährlichen Orte geschickt wurden um ihr " Können " im Ernstfall unter Beweis zu stellen. Auch heute ist es noch so, dass Karate in Japan bei weitem nicht den hohen Stellenwert hat, wie viele glauben und der schlechte Ruf von damals haften blieb. Die wirklichen Lehrer wie Funakoshi, Mabuni und Miyagi, hatten keinen Einfluss mehr auf diese Entwicklung.
Im Jahre 1943 begann man mit der Übung des Gohon-Kumite, dann Sanbon -Kumite und schließlich Ippon-Kumite. Maßgeblich beteiligt an dieser Entwicklung war Masatoshi Nakayama, der zu den älteren Lehrern des Shotokan - Dojos, wie bereits erwähnt, nicht das beste Verhältnis hatte.
Nakayama begann 1946, als er aus China zurückkehrte, in Funakoshis Abwesenheit die Schüler der Takushoku-Universität ( die im Übrigen unter den japanischen Universitäten nicht den Ruf hat wie uns vielfach weis gemacht wird, in der Hierarchie eher weiter unten steht, jedoch exzellente Karatekämpfer hervor brachte ) neu zu organisieren.
1949 gründete er die JKA, um Karate als Wettkampfsport zu verbreiten. Er erbat Meister Funakoshis Hilfe für ein Wettkampfsportprogramm, die dieser ihm jedoch verweigerte. Meister Funakoshis Beziehung zur JKA war mehr als lose, entgegen der heute als offiziell bekannten Wahrheiten.
M. Nakayama übernahm 1955 gänzlich die Führung der JKA und es gelang ihm, den ersten offiziellen Wettkampf auszutragen, der von Hirozaku Kanazawa gewonnen wurde, Funakoshi jedoch erlebte dies nicht mehr, er starb am 26. April 1957 im Alter von 88 Jahren.
Karate in Japan
Karate-Do beinhaltet heute viele Stile, deren Ursprung alle in die zwei
großen okinawanischen Systeme münden: Shorin-Ryu und Shorei-Ryu. Auch in Japan entstanden nach 1930 mehrere Stile, deren Ursprung jedoch ebenfalls nach Okinawa führt.
Die wichtigsten japanischen Stile sind:
Shotokan-Ryu ( Funakoshi ), Shito-Ryu ( Mabuni ), Wado-Ryu( Ohtsuka ), Goju-Ryu
Die wichtigsten okinawanischen Stile sind:
Matsubayashi-Ryu ( Nagamine ), Kobayashi-Ryu ( Chibana ), Sukanai Hayashi-Ryu
Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen sich die japanischen Stilrichtungen zu großen Organisationen zusammenzuschließen. In den meisten Fällen nahm man Jigoro Kanos Judo-Organisation zum Vorbild und strebte eine weltweite Verbreitung des Karate über den Wettkampfweg an. In Okinawa entstand insbesondere durch die Okinawa Karate Kobudo Renmei eine traditionelle Gegentendenz. Die großen japanischen Organisationen gründeten jedoch danach weltweit viele Zweigstellen und darüber hinaus entstanden überall auch eigenständige Verbände, die sich gegenseitig die Kompetenzen absprechen, so dass die Lage heute unüberschaubar ist.
ENTWICKLUNG DES SHOTOKAN KARATE
" Shoto " bedeutet in der wörtlichen Übersetzung " Pinienrauschen " und Meister Funakoshi pflegte mit diesem Begriff seine Gedichte zu unterzeichnen. In Japan wurde Shoto für den Karatestil gebraucht, den Funakoshi lehrte.
Shotokai ist der Name einer, von Funakoshis Schülern im Jahre 1935 gegründeten, Organisation. Sie diente der materiellen Unterstützung ihres Lehrers und ist die Bezeichnung für das traditionelle Erbe von Funakoshis Kampfkunst, das nach seinem Tod ( 1957 ) von seinem ältesten Schüler Shigeru Egami angetreten und bis zu dessen Tod ( 1981 ) getreu in Gesinnung und Methode weitergeführt wurde. Funakoshis ausdrücklichem Wunsch folgend ist in der Shotokai-Organisation ( Nihon Karate-Do Shotokai ) das Wettkampfkarate untersagt.
Egami, der mit Einverständnis der Familie Funakoshi, zusammen mit Genshin Hironishi 1958 das Shotokai neu organisierte, lehnte die Art des Karate, wie es in der JKA vertreten wurde, vollkommen ab und erklärte sie als weit von der ursprünglichen Lehre entfernt. So kritisierte er z. B. stets die Entwicklung der Techniken, die mit immer mehr Kraft ausgeführt wurden, im Gegensatz zu Funakoshis Techniken, die immer entspannt und weich waren. Ebenso akzeptierte er auch nie Wettkämpfe, weil er darin einen Widerspruch zum Geiste des Karate-Do sah und weil der Wettkampf die Übung im Dojo immer mehr auf Kraft und Spannung verlagerte. Die Grundidee seines Karate war, das Kumite als eine Suche nach Harmonie zwischen zwei Partnern zu lehren und nicht als egoistischen Wunsch, einen anderen zu besiegen.
Mit Shotokan bezeichnete man in den 30er Jahren Meister Funakoshis Karate Dojo. Shoto war Funakoshis Künstlername und Kan bedeutet Haus oder Tempel.
Funakoshis Shotokan ist nicht identisch mit dem von Nakayama später errichteten Shotokan, eine Bezeichnung, unter der die JKA gegründet wurde.
Die Bezeichnung übernahm man von der Türinschrift der ehemaligen Schule Funakoshis. Direkte Schüler Funakoshis waren Gimma ( sein erster Schwarzgurt ), Yashida, Egami, Shimoda, Ohtsuka u.a.. Viele der heute bekannten Meister dieser Schule, wie Nakayama, Kase, Nishiyama, Oshima u.a. sind Schüler aus der zweiten Generation, d.h. sie wurden von direkten Schülern Funakoshis unterrichtet. Unter Funakoshis Schülern entstanden so dann auch die verschiedenen Neigungen, wie z.B. Ohtsukas Wado-Ryu, Egamis Shotokai oder Nakayamas Shotokan-Ryu.
Taiji Kase z.B. wurde von Genshin Hironishi unterrichtet, einer der beständigsten Säulen des Shotokan aus der Gruppierung um Egami, dem treuesten Schüler Funakoshis, während Nakayama und Nishiyama, die Mitbegründer der JKA nicht immer den gleichen Lehrer hatten, wodurch sich auch die verschiedenen Kata-Interpretationen ( z.B. zwischen Nakayama und Kase) erklären lassen.
Shotokan-Ryu
Heute versteht man unter Shotokan-Ryu, das von Meister Nakayama gegründete Wettkampfkarate, das Dank der Tätigkeit der JKA der weltweit verbreitetste Stil ist. Shotokan-Karate ist heute ein Kampfstil, der zum Teil Meister Funakoshis Karate-Philosophie mit übernommen hat, die jedoch aufgrund der fehlenden stilspezifischen Informationen dem größten Teil seiner Mitglieder vollkommen unbekannt ist. Ob bewusst oder aus Mangel an Kenntnissen nicht vermittelt sei einmal dahin gestellt. Das Shotokan-Ryu hat heute die beste technische Literatur, jedoch wird vielfach überhaupt kein Wert gelegt auf die Ausbildung der Karateka im Sinne des Do. Wenngleich oft und viel darüber gesprochen wird, jedoch viele nicht wissen, was damit gemeint ist. Jene Leute, die von Karate-Do sprechen, meinen zumeist das Wettkampfsystem Shobu Ippon und vergessen dabei, dass es sich hier wie gesagt nur um ein System handelt, genauso wie Shobu Sanbon o.a. Ich musste einmal lachen als ich ein Werbeplakat für eine Meisterschaft sah, auf dem u.a. Zitate aus der Dojo Kun zu lesen waren wie: führe nicht den ersten Schlag oder es ist nicht wichtig den Gegner zu besiegen sondern sich selbst.
Das ist ja alles richtig, aber wie bitte ist das zu verstehen und mit dem Sport vereinbar, wo es sehr wohl um Sieg oder Niederlage, um Ehre und Ansehen, um Medaillen und Prämien geht? Dies und einige andere Uneinigkeiten führten zur Zersplitterung der großen Organisation und bewirkten z.B. um 1970 die Entstehung der SKI. Damit jedoch nicht genug hat mittlerweile schon beinahe jeder der heutigen " großen Meister " ( Nishiyama, Enoeda, Shirai, Ochi u.v.a. ) seinen eigenen Verband, in dem er für sich in Anspruch nimmt, das " wahre Karate " zu vertreten. Nur jeder betreibt Sport, versucht aber den Eindruck entstehen zu lassen sein Karate sei das traditionelle Karate !!! Welch ein Unsinn!
Es ist sehr schade, dass heute die jungen, neuen Karate Übenden von der Tradition so gut wie nichts mehr mitbekommen. Jedoch sind die Inhalte und der geistige Hintergrund nach wie vor in der Kata enthalten, nur durch die Form verdeckt und verschlüsselt.
Richard Kim aus USA, einer der modernen Klassiker des Karate-Do, schreibt dazu:
Die Selbstverteidigung beginnt erst hinter jener Wegkreuzung, an der sich das Sport-Karate von der Kunst des Karate-Do trennt. Es erübrigt sich zu sagen, dass Sport-Karate eben nur ein Sport ist und nicht viel mehr. Viele Techniken, die man im Sport-Karate verwendet, sind gleichermaßen übertrieben wie unwirksam und für die Wirklichkeit der Selbstverteidigung nicht zu gebrauchen. Unglücklicherweise sind die zurechtgemachten Sprünge, das Herumgehüpfe und die wirbelnden Fußtritte, die man auf Wettbewerben immer wieder sieht, mehr dazu geeignet, das Publikum zu beeindrucken, als zur Selbstverteidigung im Falle eines ernsthaften Angriffs. Vor allem nehme ich Anstoß an der Theorie, dass die Kunst des Karate ohne das Sport-Karate keine Verbreitung finden würde.
In gewissem Sinne mag das vielleicht sogar richtig sein. Doch wenn man die Behauptungen der Verfechter des Sport-Karate einmal genauer ansieht, kann man feststellen, dass dahinter höchst egoistische Ziele stehen. Das wahre Wesen des Karate-Do, das die Selbstverteidigung umfasst, die unglaubliche Tiefe des Karate, lässt sich nämlich nicht so leicht verkaufen wie der Sport. Es ist wie es ist, wie es ist. Sport-Karate ist nicht Selbstverteidigung. Es enthält noch nicht einmal die elementarsten Grundlagen davon. Es ist nur ein kleiner Teil vom großen Spektrum des wahren Karate. Will Sport-Karate den Anspruch auf Selbstverteidigung erheben, dann müsste ein Großteil seines Unterrichts darauf ausgerichtet sein, zu lehren, wie man auf die schnellste und wirksamste Weise einen Angreifer unschädlich macht. Und sollte es passieren, dass die Wettkämpfer versagen und nicht wissen, wie man einen wirklichen Angreifer unschädlich macht, dann sollten sie auch wissen, welches die zweite Alternative ist: ihr Handwerk aufzugeben und jedem Kampf aus dem Weg zu gehen.
Nakayama gesteht in einem Interview:
Wenn ich in den Himmel komme, hoffe ich, dass ich für die Erfindung des Sport-Karate nicht von Meister Funakoshi verprügelt werde. Aber ich glaube nicht, dass er sich allzu sehr darüber aufregen wird. Er wollte, dass ich Karate in der ganzen Welt verbreite und durch das Sportkarate ist mir dies sicher gelungen.
Dies ist in der Tat gelungen und Nakayamas Lebenswerk verdient die ihm gebührende Anerkennung. Wir alle, die wir heute Karate außerhalb Japans üben, verdanken hauptsächlich ihm den Zugang zu dieser großartigen Kunst und wahrscheinlich hat er recht, wenn er sagt, dass dies nur über den Wettbewerb möglich war.
Die Veränderung
Die wenigsten Karate-Übenden wissen, dass das Shotokan-Ryu, wie es heute weltweit geübt wird, ein vollkommen anderer Stil ist als jener, den Funakoshi nach seiner Ankunft in Japan lehrte. Meister Funakoshis Sorge in Betracht ziehend, dass das Karate zu Aggressionen missbraucht werden könnte, sind viele Karate-Experten heute der Meinung, dass er das kampfbetonte Azato-System ( das er zweifelsohne kannte ) in Japan nie unterrichten wollte. Vermutlich gab er es aber an seinen Sohn Yoshitaka, über den es heute sehr viel widersprüchliche Aussagen gibt, weiter. Als dieser 1939 zusammen mit seinen beiden Assistenten Shigeru Egami und Genshin Hironishi die Trainingsleitung im Shotokan Dojo übernahm, begann er nach und nach neue Elemente in den Stil zu übertragen, die die bestehenden Trainingsgrundlagen stark veränderten. Zwischen 1939 und 1943 entstand unter der Leitung Yoshitakas ein vollkommen neuer Stil.
Es war der Azato-Stil, den Yoshitaka in Abwesenheit seines Vaters einführte.
Fest steht, dass der Shotokan-Stil einen sehr starken Samurai-Einfluß aufweist, der allen anderen Karate-Richtungen fehlt. Vieles, was damals geschah, ist heute nicht mehr nachvollziehbar.
KATA: STIL, FORM UND MACHT
Ein Beitrag
von Varone Ciro, aus dem italienischen übersetzt
Von mir in Grammatik und Ausdruck etwas verändert
Kata sind die Quellen, die den Basiskatalog
des Karate bilden. Jeder Stil hat seine eigene Besonderheit,
die sich nach den Erfahrungen der Vorläufer gebildet hat, in
den Kata finden wir die Technik,Taktik, Strategie, den
Rhythmus, die Methode und die Macht, um die Gesundheit zu
erhalten und schließlich die Ästhetik, die den Stil
charakterisiert.
Kata sind erfahrene Filter, die die Fähigkeiten eines
Karate-Meisters kondensieren. Dies ist einer der Gründe, warum
jeder Karate-Stil seine Kata hat, die sich manchmal ähnlich und
sich mit denen anderer Stile ergänzen, da sie aus derselben
Kampfkunst stammen, manchmal anders, weil sie interpretative
Varianten gefolgt sind und verschiedene Lösungen für die
gleichen Probleme gefunden.
Für die Zwecke der Anwendung ermöglichen Kata das maximale
Niveau zu erreichen, wenn sie richtig gelernt wurden, geben sie
dem Budoka die Möglichkeit, maximale Muskelkapazität in Bezug
auf Geschwindigkeit, Kraft, Elastizität und Qualität
auszudrücken, die nach ihrer persönlichen Erfahrung aufgenommen
wurden bestimmen die Handwerkskunst und den höchsten Ausdruck
der Reife ihres Charakters.
Kata wurden dazu konzipiert, auch ohne Gegner, ohne Trainer, in
großen Räumen, aber auch an engen Orten trainiert zu werden,
aber die Führung eines Meisters verbessert sein Verständnis und
seine technisches Vermögen, eine gesunde Umgebung erleichtert
das Lerne. Nach einer gewissen Zeit der Übung von Kihon wird
auch ein Partner eine große Hilfe sein, um Kata "realistisch"
zu üben.
Durch die Kata drückt der Geist des Budoka seine
psychophysische Aktivität aus und zeigt die Einstellung und
Bedeutung (auf japanisch Shisei).
Die Meister, die Kata erschufen, fügten das obligatorische
Embusen (die Linien mit den Positionen) ein, um diese Praxis zu
einem "Weg" zu machen, eine echte multidimensionale Strecke zu
machen, der man folgen, entschlüsseln, verstehen und an andere
Karatekas treu weitergegeben kann.
Embusen muss genau und ohne Abweichung verfolgt werden. Um die
Perfektion und Dominanz der Kata zu erreichen, muss der
Karateka eine Person sein, die nicht aufgibt: Entschlossenheit
ist eine der charakteristischen Eigenschaften, die dem Übenden
auf lange Zeit helfen und fördern, den schwierigen Weg des
Lernens und der kunstvollen Ausführung zu meistern.
Auch der große Schwertkämpfer Miyamoto Musashi beschrieb die
Aspekte des Shisei.
Bei Budopedia wird shisei wie folgt beschrieben:
Mit shisei bezeichnet man die Einheit der physischen
und psychischen Haltung (mi gamae und ki
gamae) in den Wegkünsten (dō).
Shisei ist neben der Körperspannung (kinchō)
und der Atmung (kokyū) eine der drei Grundsäulen aller
Übungen in den Kampfkünsten. Im Japanischen steht shi
für eine Form oder Gestalt und sei für die Kraft, die
zum Einnehmen dieser Form / Gestalt notwendig ist. Die
Korrektheit der Form ist wichtig, doch eine Haltung ist
unvollkommen, wenn sie keine Kraft und keine Energie hat. Erst
die Einheit der beiden Elemente macht die wahre Haltung aus.
Shisei steht für die Gesamthaltung (physisch und
psychisch) und meint die Haltung eines Menschen gegenüber allen
Situationen des Lebens.
DOJO KUN
Do = Weg, Pfad
Jo = Ort, Standort
Kun = Anweisung
Auf die Darstellung der japanischen Knji ( Schriftzeichen )
wird hier verzichtet.
DOJOKUN bedeutet also: Anweisung für den Ort
des Weges
SAKUGAWA KANGA hat vermutlich die noch heute gültigen
Regel, die sich bis zu BODHIDARMA und das Shaolin
Kloster zurück verfolgen lassen können, für das TODE in Okinawa
aufgestellt.
Jede der 5 klassischen Regeln beginnt mit
HITOTSU, was soviel heißt wie EINS und endet mit KOTO, was
wörtlich Sache, Ding, Ereignis, Umstand, Erfahrung, bedeutet.
Die Schriftzeichen sagen also aus: ES IST WICHTIG, salopp
ausgedrückt: SACHE IST. Die Reihenfolge der Regeln stellt dabei
keine Wertigkeit dar.
In vielen traditionellen Dojo`s wird die DOJOKUN nach dem
Training vom ranghöchsten Schüler laut und bestimmt vorgesagt
und die anderen wiederholen den Text ebenso laut und kräftig.
So wie die Techniken durch ständiges Training perfektioniert
werden, sollen sich die Regeln auch im Geist der Übenden
festsetzen.
Regel 1 bezieht sich auf das Verhältnis zu
sich selbst:
Hitotsu! Jin kaku kansei ni tsutomeru koto!
Beachte! Bemühe Dich stets Deinen Charakter zu
vervollkommnen!
Regel 2 bezieht sich auf das Verhältnis
zur Welt:
Hitotsu! Makoto no michi o mamoru koto!
Bewahre den Geist der Aufrichtigkeit!
Regel 3 bezieht sich auf das stete Bemühen
und Streben des Menschen in seinen Lebenszielen
Hitotsu! Doryoku no seishin o yashinau koto!
Beachte: Übe mit Ausdauer, damit Du Deine Ziele
erreichst!
Regel 4 betrifft Höflichkeit und
Etikette, Verhaltensformen, die man beachten sollte, um
von seiner Umwelt akzeptiert und verstanden zu werden.
Hitotsu! Reigi o omonzuru koto!
Ehre die Prinzipien der Etikette!
Regel 5 bezieht sich auf gewaltloses
Handeln
Hitototsu! Kekki no yû o imashimuro koto!
Verzichte auf Gewalt!
Es ist auch wichtig, sich vor begeistertem Heldentum zu
hüten.Dojokun von Gichin Funakoshi
Gichin Funakoshi ergänzte das Dojokun seines Lehrers Anko Azato
durch zwanzig eigene Grundsätze, die für mich wichtigsten habe
ich herausgehoben:
Karatedo wa rei ni hajimari, rei ni owaru koto o !
„Karate beginnt und endet mit
Respekt!“
Karate ni sente nashi!
„Im Karate gibt es keinen ersten Angriff!“ Hier meint er: kein
böswilliges Handeln, keine Provokation
Karate wa gi no tasuke!
„Karate ist Helfer der Gerechtigkeit!“
Mazu jiko o shire, shikoshite tao wa shire!
„Erkenne dich selbst zuerst, dann den
Anderen!“
Gijutsu yoi shinjutsu!
„Intuition ist wichtiger als reine
Technik!“
Kokoro wa hanatan koto o yosu!
„Lerne deinen Geist zu kontrollieren und befreie
ihn dann!Wazawai wa getai ni shozu!
„Unglück geschieht meist durch Nachlässigkeit!“
Dojo no mino karate to omou na!
„Karate ist nicht nur im Dojo!“
Karate no shugyo wa issho de aru!
„Die Ausübung des Karate geht ein Leben lang!“
Arai-yuru mono o karatek wa seyo, soko ni myo mi ari!
„Verbinde alles was du tust mit Karate, das ist der Zauber der
Kunst!“
Karate wa yu no goto shi taezu netsudo wo ataezareba moto no mizu ni kaeru! „Wahres Karate ist wie heisses Wasser, das abkühlt, wenn Du es nicht beständig wärmst!“
Katsu kangae wa motsu na makenu kangae wa hitsuyo!
„Denke nicht ans Gewinnen, doch denke darüber nach,
wie Du nicht verlierst!“
Tekki ni yotte tenka seyo!
„Wandle dich, abhängig vom Gegner!“
Tattakai wa kyo-jitsu no soju ikan ni ari!
„Ein Kampf verläuft immer so, wie du Kyo (Körper und Geist
ungeschützt) und Jitsu (Körper und Geist geschützt) einsetzt!“
Hito no te ashi wo ken to omou!
„Stelle Dir vor, Deine Hand und Dein Fuß seien ein Schwert!“
Danshi mon o izureba hyakuman no tekki ari!
„Wenn du dein Zuhause verlässt, machst du dir viele Feinde!“
Kamae wa shoshinsha ni ato wa shizentai!
„Das Einnehmen einer Haltung gibt es beim Anfänger, später gibt
es den natürlichen Zustand!“
Kata wa tadashiku jissen wa betsu mono!
„Kata muss korrekt geübt werden, im Kampf ist das eine andere
Sache!“
Chikara no kyojaku; Karada no shinshuku; Waza no kankyo wo
wasaruna!
„Hart und weich, Spannung und Entspannung, langsam
und schnell, alles verbunden mit der richtigen
Atmung!“
Tsune ni shinen kufu seyo!
„Denke immer an Kufu (die Regeln), lebe und befolge sie jeden Tag!“
